Wie entstehen Vorstellungen über andere Länder und Kulturen – und welche Rolle spielen Film und Literatur dabei? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studierende aus Deutschland und Chile im binationalen Online-Kurs „Estereotipos en la literatura y el cine. El caso de Chile y Alemania / Stereotypen in Literatur und Film. Der Fall Chile und Deutschland“, der 2024 gemeinsam von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universidad de Chile angeboten wurde. Darin ging es um den Vergleich gegenseitiger Wahrnehmungen: Wie stellen sich Studierende aus Deutschland das Leben und die Menschen in Chile vor – und umgekehrt? Welche Bilder werden durch Literatur und audiovisuelle Medien vermittelt und verfestigt? Mithilfe film- und textanalytischer Methoden sowie imagologischer und postkolonialer Ansätze zeigen die Autoren, dass Chile weniger als realer Ort erscheint, sondern vielmehr als Projektionsfläche für stereotype Vorstellungen. Chile wird dabei durchgehend als kulturell „anderer“ Raum konstruiert – geprägt von Emotionalität, Unsicherheit und Exotik.
Die melodramatischen Erzählungen der Filme sind laut Studie von einer klaren Hierarchie geprägt: Deutsche Figuren erscheinen als rational, modern und zivilisiert, während Chile als rückständig und emotional inszeniert wird. Die Filme zeigen damit kein gegenwärtiges Land, sondern nutzen Chile vor allem als emotionale Kulisse für deutsche Geschichten.
Foto: Nicole Nerger/Uni Jena
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